Frey-Art

Kunstausstellung + Kunstpädagogik + Kunsttherapie


Philosophie

Was ist eigentlich Kunstherapie und Kunstpädagogik? Theoretische Hintergründe zu meiner Arbeit mit Kinder und Jugendlichen darf ich Ihnen kurz in dieser Rubrik erläutern.

 

Die Kunsttherapie stellt für mich eine wertvolle Therapierichtung in der Psychotherapie, Psychosomatik oder Heilpädagogik dar. Sie ermöglicht Menschen, sich durch künstlerisches Tun auf kreative und nonverbale Art auszudrücken. Gerade dieser Ausdruck stellt für mich einen wesentlichen Bestandteil der Wirksamkeit von Kunsttherapie dar. Das kreative Tun hat einen anderen Zugang zu den Emotionen, als die Sprache. Zum Einsatz kommen kunsttherapeutische Methoden und Aufgaben diagnostisch sowie im therapeutischen / heilpädagogischen Prozess.

 

Das Malen, Zeichnen, Plastizieren gibt uns die Möglichkeit, uns anderen mitzuteilen, innere Konflikte zu bearbeiten und neue Gedanken zu entwicklen. Verdrängte Inhalte aus dem Unterbewusstsein können im künstlerischen Prozess reaktiviert werden. Aus der künstlerische Betätigung können neue Perspektiven und neue Hoffnung erwachsen*(1).

Es geht somit darum, psychische oder psychosomatische Erkrankungen zu bearbeiten oder traumatische Erfahrungen zu verarbeiten. Im Bild können z. B. Wünsche konkretisiert, Geheimnisse oder Sorgen ausgedrückt sowie beängstigende Emotionen und Aggressionen mitgeteilt werden*(2).

 

Neben der klinischen Kunsttherapie gibt es auch Kunsttherapie in der Heilpädagogik. Die Arbeit in einer heilpädagogischen Praxis unterliegt wiederum etwas anderen Anforderungen. Hier gibt es ebenfalls die Diagnostik z.B. mittels Zeichentests, aber auch die Förderung bestimmter Kompetenzen, wie der Feinmotorik. Gruppenangebote können Kindern mit sozialen oder emotionalen Schwierigkeiten helfen. Besonderns bei Sprachschwierigkeiten oder Sprachhemmungen bietet die Kunsttherapie eine unterstützende Möglichkeit der Kommunikation.

 

In der Kunstpädagogik gibt es keinen therapeutischen Auftrag, wie z.B. in einer Klinik. In Malkursen können Kinder und Jugendliche vor allem künstlerische Kompetenzen erlernen, was in der Kunsttherapie oder heilpädagogischen Arbeit nicht das wesentliche Ziel ist. Die Kinder können zudem aktiv in einen kreativen Prozess eintauchen, der ihnen Freude vermittelt. Unter Prozess verstehe ich Wahrnehmen, Gestalten, Fühlen oder mit anderen Worten eine Auseinandersetzung mit der Umwelt und der eigenen Person. Sie erfahren, dass sie selbst etwas leisten können, was ihnen und anderen gefällt.


Die kunstpädagogische wie kunsttherapeutische Arbeit gibt Menschen die Möglichkeit der Selbsterfahrung. Kinder und Jugendliche entdecken ihre Fähigkeiten, sammeln Erfahrungen mit diversen Materialien und Gestaltungstechniken und haben die Möglichkeit Emotionen zu verarbeiten bzw. in positiver Form zum Ausdruck zu bringen. Kunstpädagogische und kunsttherapeutische Prozesse schaffen somit Selbsterfahrungs- und Selbstfindungsmöglichkeiten*(3).
Die Förderung der Kreativität und Phantasie stellt ebenso ein bedeutendes Merkmal dar. Die künstlerische Aufforderung Neues auszuprobieren, Grenzen zu überwinden, neue Wege zu gehen, kann auch im Alltag die Kreativität, Flexibilität, Offenheit und Toleranz erhöhen. Kreativität gilt als eine wesentliche Voraussetzung für die Problemlösung und Konfliktbewältigung. Im Bild können neue Realitäten dargestellt werden. Den Inhalten sind keine Grenzen gesetzt, wie z.B. im alltäglichen Leben. Phantasie kann einem Kind helfen, die Verarbeitung von positiven wie negativen Erfahrungen zu unterstützen*(4).

 

Kunstpädagogik  und Kunsttherapie haben folglich einige Gemeinsamkeiten. Die Grenze zwischen Beidem ist nicht klar erkennbar. Das wesentliche Mittel der Arbeit ist das künstlerische Gestalten mit den unterschiedlichsten Materialien. Verschieden bei allen Formen ist aber das Klientel, mit seinen individuellen Eigenschaften und Kompetenzen, der Arbeitsauftrag des Pädagogen / Therapeuten und das Setting in dem es stattfindet. Dennoch kann das Schaffen von Kunst für jeden Menschen nützlich und interessant sein und zwar unabhängig davon, ob es in einem therapeutischen, heilpädagogischen oder pädagogischen Setting stattfindet.

 

Von größter Bedeutung für mich, in meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, ist es, dass der individuelle kreative Freiraum eines jeden nicht stark eingeschränkt werden darf und durch Offenheit beim künstlerischen Arbeiten, kreative und individuelle Wege zugelassen werden. Jeder Mensch sollte die Chance haben, seinen eigenen Weg zu finden. Dabei möchte ich die Kinder und Jugendlichen gerne unterstützen. Dies erscheint mir wichtiger, als das Ausbilden zu einem perfekten Künstler. Für mich ist der Weg das Ziel und nicht zwangsläufig das perfekte Kunstwerk. Deshalb möchte ich mit den Worten von Joseph Beuys abschließend sagen "Jeder  Mensch ist ein Künstler" und in jedem Kind steckt ein künstlerisches Potenzial, dass es zu wecken gilt!

 

Claudia Köhler-Frey

 

 

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Quellenangaben:

 

(1) (vgl. Jacob. 1989. Zur Kunst-Therapie im klinischen Bereich. In Hampe (Hrsg). Aurora II und das Pferd im 4.Stock. Zur Klinischen Kunsttherapie und Integrierten Psychosomatik. Druckschriftenlager der Universität Bremen 03/3.)

(2) (vgl. Landgarten. 1990. Klinische Kunsttherapie. Gerardi Verlag)

(3) (vgl. Richter-Reichenbach. 2004. Kunsttherapie Bd. 1 Theoretische Grundlagen. Daedalus Verlag Joachim Herbst).

(4) (vgl. Wichelhaus. 2006. Kunst+Unterricht Heft 307/308: Beiträge von: B. Wichelhaus, S. Günther, B. Limper, L. Schäfer. Erhard Friedrich Verlag GmbH).

 

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